Der schwierige Übertritt zum Profi

10. Juni 2020, 19:46

Der schwierige Übertritt zum Profi

Wollen den Sprung zum erfolgreichen Tennisprofi schaffen: Dominic Stricker (li.) und Leandro Riedi 

Für jeden Tennisspieler ist der Übertritt vom Junior zum Profi ein schwieriger. Wenn dann aber wichtige Turnierteilnahmen aufgrund einer Pandemie gestoppt werden, dann wird das Ganze zu einer noch grösseren Herausforderung.

Vor wenigen Monaten konnte Swiss Tennis erstmals überhaupt drei Junioren gleichzeitig in den Top-12 der U18-Juniorenweltrangliste zählen, ein weiterer – erst noch ein Jahr jünger – stand bereits in den Top-50.

«Eine solche Präsenz ist für ein kleines Land wie die Schweiz in einer solch globalen Sportart äusserst aussergewöhnlich. Rein statistisch liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein guter Junior den grossen Durchbruch auch bei den Profis schafft, bei 0.5% - aber durch gleich vier Boys mit dieser Wahrscheinlichkeit hatten wir noch nie so gute Chancen», weiss Alessandro Greco, Leiter Spitzensport bei Swiss Tennis. «Doch erreicht ist damit noch gar nichts. Aber der Zeitpunkt ist da, um die Chancen noch weiter zu erhöhen und dafür braucht es im wichtigen Übergang zum Profi eine individuellere Betreuung der Athleten.»

Grosse Hoffnungen

Leandro Riedi (18 Jahre), Dominic Stricker (wird im August 18), Jeffrey von der Schulenburg (18 Jahre) und Jérôme Kym (17 Jahre) heissen die vier Jungs, auf denen aktuell im Schweizer Tennis grosse Hoffnungen liegen. Während Jeffrey von der Schulenburg zuhause in Zürich lebt und in Winterthur von seinem Privatcoach Roman Vögeli trainiert wird, leben und trainieren die anderen drei seit mehreren Jahren im Nationalen Leistungszentrum in Biel. Für ihr letztes Juniorenjahr hatten sich Leandro Riedi und Dominic Stricker insbesondere auf die Teilnahme an den Junioren-Grand-Slam-Turnieren gefreut.

Beide kennen das Gefühl bereits, an solchen Grossanlässen im Final zu stehen – zumindest im Doppel. Während Stricker im vergangenen Jahr in Roland Garros den Doppelfinal knapp verlor, konnte Leandro Riedi dieses Jahr in Australien die Trophäe in die Höhe stemmen. «Nach diesen ersten Erfahrungen auf dem Level haben wir uns natürlich in diesem Jahr auch im Einzel gute Chancen für die Jungs ausgerechnet», so Greco. «Aber Corona machte uns allen einen Strich durch die Rechnung».

Anderes als geplant

So konnten die Jungs bisher auch nicht an ersten Future-Turnieren antreten und dort auf die Jagd nach wichtigen Weltranglistenpunkten für die Tour gehen, die Pläne zumindest fürs erste halbe Jahr mussten auf Eis gelegt werden. Und so kam der Zeitpunkt für wichtige Entscheidungen wohl etwas früher als geplant. «Im Rahmen unserer Nachwuchsförderung legen wir einen grossen Wert darauf, unsere Junioren zu selbständigen Unternehmern zu erziehen», erläutert Greco das Förderkonzept von Swiss Tennis. «Das heisst auch, dass wir sie bei erfolgreicher Arbeit an einen Punkt bringen, an dem sie und wir auf individuellere Betreuung setzen müssen, wenn der Einstieg bei den Profis gelingen soll.»

Konkret heisst dies, dass inskünftig jeder der vier Spieler von einem eigenen Coach betreut wird. Da dies in den Strukturen von Swiss Tennis als Nachwuchsförderverband nicht möglich ist, wurde gemeinsam nach Lösungen gesucht. Nach dem selben System waren in den vergangenen Jahren auch schon die Profikarrieren von Henri Laaksonen, Jil Teichmann und Simona Waltert lanciert worden.

Vier unterschiedliche Wege

«Es sind 4 Boys, die alle den selben Traum haben. Aber es sind vier verschiedene Menschen und Charaktere, vier verschiedenen Umfelder, aus denen sie stammen und deshalb auch vier verschiedene Wege, die sie gehen» so Greco. «Man weiss, dass es bei den Boys durchschnittlich fünf Jahre dauert, bis die Transitionsphase auf die Profitour abgeschlossen ist. Bei den Girls ist es etwas weniger lang, rund drei Jahre. In dieser Zeit braucht es aber aus organisatorischer und finanzieller Sicht höchste Flexibilität und Individualität».

Swiss Tennis verstärkt die Unterstützung

Der Zentralvorstand von Swiss Tennis hat deshalb auf Antrag der Abteilung Spitzensport an seiner Sitzung vom 10. Juni entschieden, diesen logischen Schritt in der weiteren Entwicklung der vier Spieler finanziell über die nächsten fünf Jahre zusätzlich zu unterstützen. Damit kann die weitere Betreuung der Athleten wunschgemäss individualisiert werden. Konkret heisst dies: der Zürcher Leandro Riedi wird per 15. Juni neu mit Yves Allegro als seinem Privatcoach zusammenarbeiten, ihre Haupttrainingsbasis bleibt vorerst das Leistungszentrum in Biel. Der Berner Dominic Stricker wird weiterhin vom Nationaltrainer Sven Swinnen betreut, auch ihre Basis bleibt in Biel. Jérome Kym, dem Swiss Tennis-Berater und Davis-Cup-Coach Severin Lüthi aktuell zur Seite steht, wird in den kommenden Wochen diverse Trainingsmöglichkeiten in der ganzen Schweiz testen. Jeffrey von der Schulenburg wird weiterhin von seinem Privatcoach Roman Vögeli betreut.  «Es ist ein langer und schwieriger Weg für alle bis an die Spitze», fasst Greco zusammen. «Doch wir wollen zusammen mit den Jungs die Chancen optimieren, die sich ihnen bieten.»

 

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